Basierend auf einem Auszug aus dem Roman „Bel-Ami“ von Guy de Maupassant.

PÄDAGOGISCHES KONZEPT:
Das vorrangige Ziel ist es, den Text im „Shadowing“-Verfahren laut vorzulesen, um eine bestmögliche Aussprache zu erreichen, dabei den richtigen Ton zu treffen und die Interpunktion zu beachten, die hier von großer Bedeutung ist.
Anschließend werden in jedem Absatz unbekannte Vokabeln recherchiert, um den Wortschatz zu erweitern.
Eine Diskussion wird es ermöglichen, die Absichten der Figur und ihren desillusionierten Charakter, der an Menschenfeindlichkeit grenzt, besser zu verstehen.
Eine individuelle Lektüre ermöglicht es, die erzielten Fortschritte zu messen und bei Bedarf Korrekturen vorzunehmen.
Schließlich wird eine abschließende „theatralische“ Lesung das Ziel haben, die Leseübung in eine körperlichere Dimension zu überführen, indem Gestik und für die Mutigsten unter unseren Lernenden sogar Bewegung hinzugefügt werden.
Was mich betrifft, so habe ich nun meine Seele verschlossen. Ich sage niemandem mehr, woran ich glaube, was ich denke und was ich liebe. Da ich weiß, dass ich zu schrecklicher Einsamkeit verdammt bin, betrachte ich die Dinge, ohne jemals meine Meinung zu äußern.
Was kümmern mich Meinungen, Streitigkeiten, Vergnügungen, Glaubenssätze! Da ich mit niemandem etwas teilen kann, interessiert mich nichts mehr. Meine Gedanken, unsichtbar, bleiben unerforscht. Ich habe banale Sätze, um auf die Fragen des Alltags zu antworten, und ein Lächeln, das „Ja“ sagt, wenn ich mir nicht einmal die Mühe machen will, zu sprechen.
Ich diskutiere mit niemandem mehr über irgendetwas, ich verteidige nichts mehr, ich empöre mich über nichts mehr. Ich stelle nur fest. Ich stelle die Meinungen der einen und der anderen fest, die Lehren, die Systeme, die Vorurteile, und ich sage mir: „Wie dumm das alles doch ist! Wie engstirnig der Mensch doch ist!“
Manchmal amüsiere ich mich damit, zu wiederholen, was der eine oder der andere denkt, was diese oder jene Klasse, diese oder jene Partei, dieser oder jener Berufsstand, diese oder jene Welt glaubt. Und ich bin immer wieder erstaunt zu sehen, wie sehr alle Menschen davon überzeugt sind, Recht zu haben, wie sehr jeder den Nachbarn verachtet, wie sehr jeder von seinem eigenen Urteil überzeugt ist und das der anderen verschmäht.
Ach! Wenn man doch die Eitelkeit all dieser Gewissheiten, die Armseligkeit all dieser Überzeugungen, die Dummheit all dieser Sturheit erkennen könnte! Könnte man doch in die Köpfe blicken, würde man dort denselben dummen Stolz, dieselbe lächerliche Selbstüberschätzung, dieselbe anmaßende Unwissenheit entdecken – beim Gelehrten ebenso wie beim Unwissenden, beim Intelligenten ebenso wie beim Dummkopf.
Denn alle Menschen sind gleich. Der einzige Unterschied, der zwischen ihnen besteht, ist der Grad ihrer Dummheit.
WEITERFÜHRENDE SCHREIBÜBUNGEN ✍️ ✍️ ✍️ ✍️
Dieser Auszug eignet sich sehr gut für schriftliche Übungen der Niveaustufen C1-C2 zu den Themen Selbstreflexion, Ernüchterung, Sozialkritik und philosophische Argumentation.
1. Argumentativer introspektiver Monolog (C1)
Aufgabe
Verfassen Sie in Anlehnung an den Erzähler einen introspektiven Text, in dem Sie erklären, warum Sie nach und nach aufgehört haben, mit anderen zu diskutieren.
Ihr Text soll:
- eine psychologische Entwicklung zum Ausdruck bringen;
- konkrete Beispiele enthalten;
- einen gehobenen Sprachstil verwenden;
- Ausdrucksmittel der Betonung und des Kontrasts enthalten;
- zwischen 350 und 500 Wörtern umfassen.
Sprachliche Ziele
- Ein Urteil nuancieren;
- den Wortschatz des Nachdenkens und der Ernüchterung verwenden;
-
Verwenden:
- die Konzession;
- die Hypothese;
- emphatische Sätze;
- die Anapher;
- den Konjunktiv.
Zusätzliche Schwierigkeit C2
Eine philosophische Reflexion einbeziehen über:
- die Wahrheit,
- die Illusion von Gewissheiten,
- oder die intellektuelle Einsamkeit.

2. Philosophische Widerlegung (C2)

Anweisung
Der Erzähler behauptet:
„Alle Menschen sind gleich. Der einzige Unterschied zwischen ihnen ist der Grad ihrer Dummheit.“
Verfassen Sie eine begründete Widerlegung dieser Behauptung.
Sie müssen:
- die pessimistische Sichtweise des Erzählers anzufechten;
- eine strukturierte Argumentation entwickeln;
- historische, literarische oder philosophische Bezüge heranziehen;
- einen gehobenen und differenzierten Stil verwenden.
Umfang
600 bis 800 Wörter.
Angestrebte Kompetenzen
- Dialektik;
- Logischer Aufbau;
- Modalität;
-
Komplexe Konnektoren:
- zwar,
- dennoch,
- allerdings muss,
- selbst wenn,
- vorausgesetzt,
- muss man feststellen…
3. Wechsel der Perspektive (C1-C2)

Aufgabe
Schreiben Sie diesen Abschnitt aus der Perspektive
- eines überzeugten Optimisten;
- oder aus der Perspektive einer Person, die sich politisch und sozial stark engagiert.
Die Figur muss implizit auf den Erzähler reagieren.
Pädagogischer Nutzen
Hervorragende Übung, um:
- die Arbeit an der Polyphonie;
- die Tonart zu ändern;
- eine Weltanschauung zu verändern;
- den Wortschatz für argumentative Texte zu erweitern.
4. Literarische Fortsetzung (C2)
Anleitung
Stellen Sie sich vor, ein Ereignis erschüttert den Erzähler und zwingt ihn dazu, sein Herz wieder für andere zu öffnen.
Verfassen Sie die Fortsetzung des Textes unter Beibehaltung:
- den Stil;
- den Rhythmus der Sätze;
- den literarischen Stil;
- die psychologische Tiefe des Auszugs.
Vorgaben
-
Verwenden Sie mindestens:
- zwei rhetorische Fragen;
- eine Steigerung;
- eine durchgehende Metapher;
- einen Absatz reiner Selbstreflexion.

5. Literarische Abhandlung (C2 fortgeschritten)

Thema
Ist der Rückzug aus der Welt eine Form der Klarheit oder eine moralische Niederlage?
Anforderungen
- Problematisierende Einleitung;
- Dialektischer Aufbau;
- Literarische oder philosophische Referenzen;
- Offene Schlussfolgerung.
Mögliche Referenzen
- Die Gedanken von Blaise Pascal
- Also sprach Zarathustra von Friedrich Nietzsche
- Der Mythos von Sisyphos von Albert Camus
- Die Charaktere von La Bruyère
6. Fortgeschrittene Stilübung (C2)
Anleitung
Identifizieren und imitieren Sie die stilistischen Mittel des Textes:
- Anaphern;
- Akkumulationen;
- dreiteilige Rhythmen;
- Ausrufe;
- Verallgemeinerungen;
- abwertendes Vokabular.
Schreiben Sie anschließend einen eigenen Absatz über:
- soziale Netzwerke,
- die politische Debatte,
- oder zeitgenössische Gewissheiten,
wobei Sie den Stil des Auszugs nachahmen.

7. Vorbereitende mündliche Aufgabe (C1-C2)

Thema der mündlichen Prüfung
„Sind Menschen unfähig, anderen wirklich zuzuhören?“
Variante
Kontradiktorische Debatte:
- Ein Kandidat verteidigt die Klarheit des Erzählers;
- der andere prangert dessen Zynismus und Resignation an.
Dieser Auszug eignet sich besonders gut zur Bearbeitung von:
- Abstraktion;
- die argumentative Dichte;
- intellektuelle Ironie;
- Modalität;
- Gesellschaftskritik;
- die Entwicklung einer starken literarischen Stimme.
Es entspricht sehr gut einer Arbeit auf C2-Niveau hinsichtlich differenzierten Denkens und stilistischer Meisterschaft.
